Stundenansatz kalkulieren: was Ihre Stunde kosten muss, damit etwas übrig bleibt
Vom Jahresziel zum Stundenansatz: die Rechnung Schritt für Schritt, inklusive produktiver Stunden, Gemeinkosten und der Frage, warum die meisten Betriebe zu tief ansetzen.
Der Stundenansatz ist die Zahl, aus der jede Offerte entsteht — und in vielen Betrieben stammt sie aus einer Mischung aus Gefühl, Konkurrenzbeobachtung und dem, was man vor fünf Jahren verlangt hat. Diese Rechnung zeigt, wie man den Ansatz von unten herleitet: aus Kosten, Zeit und Zielgewinn.
Schritt 1: Die produktiven Stunden
Ein Vollzeitjahr hat rund 2080 Arbeitsstunden. Davon gehen ab: Ferien, Feiertage, Krankheit, Weiterbildung. Realistisch bleiben rund 1800 Anwesenheitsstunden. Aber nicht jede Anwesenheitsstunde ist verrechenbar: Offerten schreiben, Material besorgen, Fahrzeit, Rüstzeit, Administration. Je nach Betrieb sind 60 bis 75 Prozent verrechenbar.
1800 Anwesenheitsstunden, davon 70 Prozent verrechenbar = 1260 verrechenbare Stunden pro Person und Jahr. Wer mit 1800 rechnet, hat sich um 30 Prozent verkalkuliert — das ist der häufigste Fehler überhaupt.
Schritt 2: Die Kosten pro Person
- Bruttolohn plus Sozialleistungen und Versicherungen — üblicherweise rund 15 bis 20 Prozent über dem Bruttolohn.
- Fahrzeug, Werkzeug, Arbeitskleidung, Telefon.
- Anteil an Gemeinkosten: Miete, Verwaltung, Versicherungen, Software, Buchhaltung, Marketing.
Bruttolohn CHF 78000.00 plus Sozialleistungen rund CHF 14000.00 = CHF 92000.00. Fahrzeug und Werkzeug CHF 12000.00. Anteil Gemeinkosten CHF 20000.00. Summe: CHF 124000.00 pro Person und Jahr.
Schritt 3: Der Zielgewinn
Gewinn ist keine Restgrösse, sondern eine Position in der Kalkulation. Er finanziert Investitionen, Rückstellungen für schlechte Monate und das Risiko, das Sie als Unternehmerin oder Unternehmer tragen. Zehn bis fünfzehn Prozent auf den Umsatz sind eine übliche Grössenordnung.
Schritt 4: Der Ansatz
Kosten CHF 124000.00 geteilt durch 1260 verrechenbare Stunden = CHF 98.40 Selbstkosten pro Stunde. Plus 15 Prozent Zielgewinn = CHF 113.20. Aufgerundet ergibt das einen Stundenansatz von CHF 115.00 exkl. MwSt.
Wer stattdessen mit 1800 Stunden rechnet, kommt auf CHF 68.90 Selbstkosten und einen scheinbar auskömmlichen Ansatz von CHF 80.00 — und arbeitet damit strukturell unter den eigenen Kosten. Das ist der Grund, warum viel beschäftigte Betriebe am Jahresende trotzdem nichts verdient haben.
Was das für Ihre Offerten bedeutet
- Rechnen Sie Fahrzeit und Rüstzeit ein — entweder als eigene Position oder im Ansatz.
- Nehmen Sie bei unsicheren Arbeiten einen Risikozuschlag von 10 bis 20 Prozent statt Optimismus.
- Prüfen Sie Ihren Ansatz jährlich. Löhne, Versicherungen und Material steigen, der Ansatz von 2022 nicht.
- Denken Sie daran, was ein Rabatt in diesem Gefüge kostet: Er geht vollständig vom Gewinn ab, nicht vom Umsatz.
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So macht es Offerten.app
In Offerten.app hinterlegen Sie Ihre Leistungen mit dem kalkulierten Ansatz. Wird der Ansatz angepasst, gilt er für alle künftigen Offerten — ohne dass jemand eine alte Vorlage übersieht, in der noch der Preis von vorletztem Jahr steht.
Häufige Fragen
Wie berechne ich meinen Stundenansatz?
Jahreskosten pro Person geteilt durch die tatsächlich verrechenbaren Stunden, plus Zielgewinn. Entscheidend ist, mit realistischen 1200 bis 1400 verrechenbaren Stunden zu rechnen statt mit der vollen Jahresarbeitszeit.
Wie viele Stunden im Jahr sind verrechenbar?
Bei rund 1800 Anwesenheitsstunden sind je nach Betrieb 60 bis 75 Prozent verrechenbar, also etwa 1100 bis 1350 Stunden. Der Rest geht für Offerten, Fahrzeit, Material und Administration weg.
Soll die Fahrzeit separat verrechnet werden?
Beides ist üblich. Wichtig ist nur, dass sie überhaupt gerechnet wird — entweder als eigene Position in der Offerte oder als Bestandteil des Stundenansatzes.
